Blutroter Schnee
Aus Auryen
Langsam trat der Scholar in die staubige Bibliothek des Klosters und schloss die leise quietschende schwere Holztür hinter sich. Im Schein seiner Talglampe konnte er gerade so die hohen Bücherregale entdecken, die zwei Tische in der Mitte und die Schemel darum.
Er seufzte. Nur nicht zu viel Bequemlichkeit, das sagen sie immer, Bequemlichkeit macht faul, und Faulheit führt zu sündigen Gedanken ...
Er stellte die Lampe auf den ersten Tisch und dreht sie etewas höher, ging dann zum ersten Regal. "Mein Leben für die Mondin", das sollte er lesen und alle 25 Dogmen herausschreiben und nach Wichtigkeit sortieren und ausführlich ihre Wichtigkeit für das zivilisierte Leben untermauern.
Seine rechter Zeigefinger fuhr über die Buchrücken: "Gebete an die Mondin" ... "Ein Leben unter der Mondin" .... "Der Ewige Kampf zwischen der gütigen Mondin und der verderbenden Sonnenglut" ... "Blutroter Schnee" ... "Die Mondin im Glanz der Sterne" ... Halt! Er blickte zurück. "Blutroter Schnee"? Interessiert zog er es heraus und blätterte darin herum. Keine Bilder? Ungewöhnlich, sonst wimmelt es immer von drastischen Holzschnitten ... Ah, hier ... wohl eine Kurzübersicht:
Es ward einmal, vor langen Zeiten,
eine Priesterin, gewillt zu streiten,
gegen das Böse und dessen Dämonen,
ohne Nachsicht und nicht sie zu schonen.
Gefürchtet sie war von den dunklen Mächten,
gehasst von bösen Geistern und auch schlechten
Menschen, doch zu stark ihr Glaube
in die Mondin, der ihr erlaube
zu bestehen jeden Kampf.
Doch die Dämonen sahen keinen
Weg, nur sich zu einen,
gemeinsam zu kämpfen gegen Mondins Streiterin.
Sie zu schlachten war ihr Sinn,
zu rächen der Gefallnen Blut,
erfüllte ihr dunkel Herz mit heisser Glut.
Im Schutze mondloser Nacht
der Plan wurde ins Rollen gebracht:
6 der Dämonen schlimmster Brut
traten zum Kampf, den Bauch voller Wut
zu bestehen ihren Kampf.
Und so begann die Schlacht
in finstrer, unheilvoller Nacht.
Doch nach kurzem Kampfe schon
fiel der Dunklen erster Sohn.
In der Sonne hellen Strahl
fiel der zweite durch den Stahl
und der dritte durch Mondins Macht
in der zweiten dunklen Nacht.
Und der vierte dann erlag
schwerem Hieb am nächsten Tag.
Und der fünfte fiel im Streit
in der nächsten Dunkelheit.
Doch der nächste frühe Morgen
brachte Kummer und viel Sorgen,
denn sie riss aus finst'res Herz
aus dem letzten der Dämon', doch der Schmerz
aus tiefer Wunde war zuviel.
Umklammert im stetigem Todeskampf
so stehen sie nun bei Tag und Nacht,
einer den andern auf ewig bewacht.
