Das Königshaus
Aus Auryen
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Die Entstehung des Königshauses
Der Kaiserliche Kronprinz Anthard nahm in jungen Jahren eine Frau, die sein Vater für ihn erwählt hatte und die alle Vorraussetzungen mitbrachte, um später als Kaiserin über das Reich zu herrschen: Baralind war schön, vertraut mit den Gesetzen und Moralvorstellungen bei Hofe, vornehm und von edler Abstammung. Allerdings stellte sich bald heraus, dass sie einen Fehler besaß: Sie ließ sich lange Zeit, um einen Erben der glorreichen Linie des Kaiserhauses zu gebären. Nachdem vier Jahre verstrichen waren und noch immer nicht die Hoffnung bestand, dass sich daran etwas ändern würde, verzweifelte sie, verließ nur noch selten ihre Gemächer und harrte jeden Tag darauf, durch eine Nachfolgerin ersetzt zu werden. Beendet wurde ihr Zustand erst durch einen anderen, denn was man nicht mehr für möglich gehalten hatte, trat ein: Sie wurde schwanger. Aus Angst, etwas könne dem ungeborenen Kind geschehen, hielt sie sich von der Außenwelt fern, zeigte sich dem Volk nur noch bei der Proklamation der guten Nachricht und umgab sich im übrigen nur noch mit jenen Mägden und Hofdamen, die ihr Vertrauen errungen hatten. So kam es, dass sich allerlei Gerüchte bildeten. Das ungeheuerlichste von ihnen war dieses: Die Kaiserliche Prinzessin hatte das Kind verloren, auf das sie solch große Hoffnungen gesetzt hatte, doch aus Verzweiflung und Angst heraus, ließ sie nach Ablauf der Frist ein Neugeborenes stehlen, von einer Bauernmagd, die zunächst froh war, einen weiteren Esser loszuwerden, dann jedoch das Nachsehen hatte, als sie, damit gesichert war, dass sie schwieg, den Tod fand. Der Junge wurde fortan als kaiserlicher Sohn angesehen und Lorthard genannt. Das Gerücht auch nur zu erwähnen, war bei Strafe verboten und so schwiegen diejenigen, die es vielleicht hätten aufklären können.
Vier Jahre später, und dies grenzte fast schon an ein Wunder, wurde Baralind, inzwischen Kaiserin des Imperialen Reiches, erneut schwanger. Dieses Mal gab sie einem gesunden Jungen das Leben, und er wurde Ruthard genannt. Diesen Sohn liebte sie herzlich und so kam es, dass sie ihn als Nachfolger ihres Herzogtums Alberau bestimmte.
Die beiden Kinder wuchsen gemeinsam auf, durchlebten beide die strenge, doch auch notwendige Erziehung und hatten im Übrigen nicht allzu viel gemeinsam. Ruthard, zwar in mancher Hinsicht nicht sonderlich begabt, hatte doch die besondere Fähigkeit, Menschen an sich zu ziehen. Er war stets freundlich und gütig und deswegen flogen ihm die Herzen zu, auch wenn er sich andernorts nicht sehr auszeichnete. Lorthard hingegen, da er merkte, dass seine Talente nicht ausreichend waren, stürzte sich verbissen in seine Ausbildung, war ehrgeizig und streng zu sich selbst und übertrumpfte auf diese Weise alle anderen. Doch glücklich war er damit nicht, denn er meinte, dafür keinen Lohn zu erhalten, da sein Bruder all die Anerkennung erhielt, die er für sich selbst wünschte. So kam es, dass er seinen Bruder zu hassen begann, obgleich dieser stets freundlich und voller Liebe zu und über ihn sprach. Kaiser Anthard, der Vater der beiden, gab keinem der Jungen den Vorzug. Doch wohl auch er musste von den Gerüchten gehört haben und so verabsäumte er es, einen der beiden Söhne als Thronfolger zu bestimmen.
So zogen die Jahre ins Land, die Brüder wurden erwachsen und beide fanden Frauen, die sie zu ihrer Gemahlin erwählen wollten. Während Lorthard sich jedoch an die Vorgaben und Wünsche seines Vaters hielt und eine Dame erwählte, die durchaus geeignet schien, später Kaiserin genannt zu werden, fielen Ruthards Augen auf eine junge Hofdame, deren Schönheit ihn blendete und die er für das gütigste Wesen auf Erden hielt, obgleich sie falsch und ehrgeizig war. Sein Vater verwehrte ihm jedoch die Einwilligung zu diesem Bund, so dass Ruthard warten musste, während sein Bruder seine Dame bereits ehelichen durfte. Nach der Geburt Degenhards, des Sohnes von Lorthard, starb Kaiser Anthard und für kurze Zeit war die Nachfolge unbestimmt. Da der Kaiser sich zeitlebens geweigert hatte, einen Thronfolger zu bestimmen, wurden Stimmen laut, dass Ruthard die Nachfolge gebührte, da er der rechtmäßige Erbe war. Unterstützt wurde er darin insgeheim von der Familie vom Stein, die von einer Seitenlinie des Kaiserhauses abstammten und seit jeher als Berater des Kaiserhauses galten. Allerdings sah das Geschlecht derer vom Stein sich ebenfalls dazu verpflichtet, die Herrscherlinie zu bewachen und sicher zu stellen, dass nur der wahre Erbe den Thron bestieg. Ruthard wollte von alledem nichts wissen, wies die Gerüchte, die nun wieder laut wurden, von der Hand und sah kurze Zeit darauf mit Stolz, wie sein Bruder den Thron einnahm. Auch hatte er nun endlich die Gelegenheit, die Frau seiner Träume heimzuführen und so wurde Sylvriss, die ebenfalls gewartet hatte, seine Gemahlin. Die vom Stein, unterstützt durch mehrere Höflinge, einigen hoch angesehenen Adelshäusern und der Kaisermutter selbst, konnten dies jedoch nicht hinnehmen. Im Geheimen versuchte man, Ruthard von der Rechtmäßigkeit seines Anspruchs zu überzeugen und plante, ohne dass dieser davon wusste, seine Machtübernahme. Kaiser Lorthard jedoch war weder dumm noch blind. Angestachelt durch seine Frau Marlante, suchte er nach einem Weg sich seines Bruders zu entledigen. Um seiner Mutter jedoch den Kummer zu ersparen, ihren Lieblingssohn durch den Tod fort genommen zu sehen und auch weil ihn ein gewisses Ehrgefühl zurück hielt, ersann er einen in seinen Augen genialen Plan. Die Insel Auryen war seit nunmehr fast zwei Jahrhunderten fern ab vom kaiserlichen Hof regiert worden und das Chaos, das dort herrschte, bedurfte einer ordnenden Hand. Nach reiflicher Überlegung erhob er das ferne Land zum Königreich und bat seinen Bruder, dort als König zu regieren. Dieser, unfähig die hinterlistigen Gedanken zu durchschauen, sagte mit Freuden zu. Die vom Stein und all jene, die ihnen folgten, waren entsetzt über derlei Entwicklungen und planten nunmehr noch halsstarriger die Machtübernahme Ruthards, doch wurden sie verraten und ihre Pläne vereitelt. Zur Strafe wurden die vom Stein auf eben jene Insel verbannt, und ihre engsten Verbündeten mit in das Exil geschickt. Die Kaisermutter wurde, nach der Abreise ihres Sohnes, dessen Frau und seinem Hofstaat, in die Burg Arenberg im Herzogtum Alberau gebracht, wo sie, fern vom höfischen Leben und abgeschieden vor der Außenwelt, ihre Tage verbringen muss.
Ruthard jedoch war froh über seine Aufgabe und nahm mit viel Eifer seine neue Würde an. Er verzieh Taurus vom Stein dessen Bemühungen, den Kaiser zu stürzen und nahm ihn als engsten Berater am neuen Königshof auf. Ruthard gelang es tatsächlich, dem Königreich Auryen eine gewisse Ordnung zu verleihen, und als seine Tochter Lilliana geboren wurde, war auch die Herrschaftslinie des neuen Geschlechts gesichert.
Entwicklungen der letzten Jahre
Ruthard nahm seine Königswürde sehr ernst und versuchte gewissenhaft, das Leben auf der Insel für die vielen, oft sehr armen, Bewohner zum Besseren zu gestalten. Um Ordnung in die Strassen Sturmspitzes zu bringen, gründete er die Königliche Garde, wobei er Taurus vom Stein als deren Kommandant einsetzte. Letzterer war zwar noch immer unglücklich über die Entwicklungen, fügte sich aber bald in seine neue Stellung und gab insgeheim seinen Plan, den in seinen Augen rechtmäßigen Herrscher auf den Kaiserthron zu bringen, nicht auf. Sein treuer Verbündeter war sein Sohn Eberik, der ihm auf die Insel gefolgt war. Gemeinsam mit ihm machte Taurus es sich zur Aufgabe über die Königsfamilie zu wachen, vor allem über deren jüngstes Mitglied, die Kronprinzessin Lilliana, die anderthalb Jahre nach der Ankunft des Königs auf der Insel geboren war.
Zwei jahre später traf ein junger edelmann in Sturmspitze ein - Eskil von Teufen. Jener verstand es gut, sich bei Hofe beliebt zu machen und vor allem die Gunst der Königin zu erringen. Daher nahm er immer mehr Einfluss und galt als guter Freund des Königspaares.
Königin Sylvriss erkrankte schließlich schwer und keiner der Heiler auf der Insel vermochte es, sie zu retten, denn sie starb kurz darauf. Eskil stützte seinen Freund Ruthard in dieser Zeit der Not. Ruthard schloss sich enger an den jungen Edelmann und räumte ihm mehr Rechte und Privilegien ein als manch anderem. Durch den plötzlichen Tod seiner Gemahlin wurde der König sich auch seiner eigenen Sterblichkeit bewusst und begann, sich um seine Tochter zu sorgen und darüber, wer über sie wachen würde, wenn er das Schicksal Sylvriss' teilen sollte. Natürlich kam es ihm in den Sinn, Taurus, den väterlichen Freund, dafür auszuwählen, doch hielt ihn schließlich dessen ebenfalls schon fortgeschrittenes Alter zurück, so dass er Eskil als Vormund bestimmte, sollte ihm selbst etwas zustoßen. Tatsächlich kränkelte er kurz darauf und verstarb. Eskil nahm daraufhin seine schwere Aufgabe wahr, und wurde als Regent eingesetzt, bis die junge Königin alt genug wäre, um die Regierungsgeschäfte selbst zu übernehmen.
Derzeitiger Stand der Dinge
Eskil, inzwischen Herzog von Sturmspitze, nahm die Regierungsgeschäfte auf und gestaltete das Hofleben, so wie er es schätzte. Ausschweifende Feste prägten fortan das Leben am Schloss, die junge Königin wurde jedoch bisher so gut es ging davon abgeschirmt. Taurus sah dies alles mit Sorge, lobte aber die Weitsicht des verstorbenen Königs, ihm und seinem Sohn ihre Positionen unveränderlich bis zu ihrem Tode festzusetzen, so dass Eskil nichts gegen beide ausrichten konnte. Dennoch sah er sie ungern, so dass er sie zumindest vom Leben bei Hofe ausschloss. Die vom Stein residieren seither in einem großen Anwesen im Adelsviertel und kommen dem Schloss nur dann nahe, wenn ihre Verpflichtungen sie dorthin führen oder aber wenn sie nach der jungen Königin sehen, was aus Sorge recht oft geschieht.
Eskil sucht noch immer nach Vorwänden, um sich der Herren vom Stein zu entledigen, Taurus und Eberik hingegen setzen ihre Hoffnungen auf das Imperiale Kaiserreich und die Kaisermutter, um einen Weg zu finden, Lilliana als Thronerbin Lorthards einzusetzen.
Der Kaiser selbst hat kaum Verbindung zur Insel Auryen und wären da nicht die jährlichen Tributszahlungen, so hätte er wohl schon vergessen, dass dies ferne Königreich existiert. Somit ist auch seine Sorge gering, dass es noch einmal jemand wagen sollte, ihm die Rechtmäßigkeit seines Thronanspruchs und die seines Sohnes abzusprechen.
Wichtige NPC
- Lorthard I., Kaiser des Imperialen Reiches
- Marlante, Kaiserin des Imperialen Reiches
- Degenhard, Kaiserlicher Thronfolger
- Baralind von Alberau, Kaisermutter
- Ruthard von Alberau, verstorbener König von Auryen
- Lilliana von Alberau, Königin von Auryen
- Taurus vom Stein nebst seinem Sohn Eberik vom Stein
- Eskil von Teufen
