Der Fährmann von Goryen

Aus Auryen

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Es war einst zur Frühlingszeit, der Tag hatte kaum begonnen, da klopfte es an des Fährmanns Tür, genau drei mal. Der Griesgram, kaum dem Bett entstiegen, stapfte grummelnd um zu sehen, was denn wäre. Doch als er öffnete, ward niemand zu sehen, sodass mit einem Fluch die Tür ins Schloss fiel.
Doch kaum hatte er sich auf dem Absatz umgedreht, ertönte das Klopfen noch einmal und laut. Rasch fuhr er herum und riss die Tür erneut auf, doch wieder sah er niemanden. Alsbald vernahm er dieses mal jedoch eine Stimme, die von unten zu ihm drang und als er den Blick senkte, wurde er endlich des kleinen Männlein gewahr, das vor ihm stand. Der Kleine war adrett herausgeputzt, hatte die Kappe keck in den Nacken geschoben und schenkte dem Fährmann sein freundlichstes Lächeln.
"Einen schönen Morgen, Gevatter !", fing er an, "Ich hoff' wir kommen nicht ungelegen ?"

Der Fährmann hub an etwas zu erwidern, doch das Männlein fuhr fort:
"Ihr seid der Fährmann, hab ich Recht ? Wir brauchen eure Dienste. Es soll auch euer Schaden nicht sein."

Nun ward's dem Fährmann zu bunt und er rief aus:
"Männlein, was sprecht ihr da ? Wohl bin ich der Fährmann, doch ..."

Beschwichtigend winkte der Kleine ab und fuhr dazwischen:
"Hab ich's gleich gewusst, dass wir am rechten Ort sind. Ist euer Kahn bereit ? Dann folgt mir und vergesst nur euren Hut nicht !"

Ohne auf Antwort zu warten, drehte er sich um und dem Fährmann blieb nicht viel, als ihm zu folgen. So ging es zum Fluss, der nicht weit entfernt floss. Drei Kleine standen bereits am Kahn und warteten fröhlich schwatzend. Erwartungsvoll blickten sie den Kommenden entgegen, als sie ihrer gewahr wurden. Am Wasser angekommen wies das Männlein den Fährmann gleich an:
"Legt nur euren Hut hierher. Der Tag ist schön und warm, aber der Wind könnt' ihn euch vom Kopf wehen. Und ich sag's euch erneut: Ihr werdet's nicht reuen."

Achselzuckend tat dieser, wie ihm geheißen, hatte er doch längst aufgegeben, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Kaum ward der Hut abgestellt, warf auch gleich ein jeder der kleinen Leute eine Münze in den selben, so dass es lustig klimperte. Das hob die Laune des Fährmanns ein wenig und er bestieg sein Boot und hieß die anderen ihm zu folgen. Die Kleinen taten das behende und schon wollte der Bootsmann aufbrechen, da fasste das Männlein ihn beim Arm und sprach:
"Haltet noch einen Moment ein, denn seht: Dort kommen noch die Onkel und Tanten."

Worauf er ans Ufer zeigte, wo aus dem Gebüsch noch Fünfe näher eilten. Auch sie taten ihren Dienst am Hut des Fährmanns und suchten Platz an Bord. Erneut ward der Schiffer zum Aufbruch bereit, doch wieder hielt der Kleine ihn auf:
"Nur noch eine Weile. Die Neffen und Nichten eilen sich auch."

Und von Land her trabten Sieben heran, am Hut vorbei über die Planke.

Dies Schauspiel wiederholte sich nun mit diesen und jenen, bis das der Kahn dem Kentern nah gefüllt war. Gefährlich schien so die Überfahrt, wenn auch das kleine Volk lustig plapperte, pfiff und sang, um dann mit 'Hallo' und 'Lebet wohl' von dannen zog.

Als der Fährmann sein eigen Ufer wieder erreichte, griff er zu dem Hut, den er zurückgelasen hatte. Ein Blick hinein ließ sein Herz einen Sprung machen, denn er war der erste, dem das kleine Volk in Goryen den Wohlstand gebracht hatte.

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