Der Kater und der Hund
Aus Auryen
Am Hafen geht eine Geschichte um, die so oder ähnlich wie hier erzählt wird. Von wem sie stammt, ist jedoch ungewiss.
Einst war ein Kater, mit glänzendem Fell und blitzenden Augen, der sang der Mondin klagend vom Schmerz der Welt ein jede Nacht. Die Katzen der Stadt liebten ihn, umgarnten ihn mit hoch erhobenem Schwanze und ein jede wahr willig, ihr Lager mit ihm zu teilen und sei es nur für eine Nacht. Doch er ging allein, bat nur diese und jene um eine Gefälligkeit, ohne jedoch zu einer Gegenleistung bereit zu sein. Denn er war stolz und hochmütig und sein liebstes Spiel war, sein eigen Spiegelbild in einem See oder Tümpel zu betrachten.
Zu jener Zeit herrschte in der Stadt der Katzen ein gewaltiger Hund mit seiner Meute. Eisern war sein Regiment und er duldete kein Nein. Darum wussten seine Untertanen und so beugten sie den Kopf vor ihm. Doch verstand man auch, dass er ihnen die Wölfe aus dem Wald und die Ratten vom Fluss, vom Fell hielt. Und so ließen sie den Dingen ihren Lauf, denn sie konnten sich nicht denken, wer ihnen sonst Schutz gewähren sollte.
Dem Kater jedoch, war der Hund zuwider. Er sah nicht ein, warum seine Wege eingeschränkt und seine Beute geteilt werden müsste. Er hasste es, sein Haupt vor einem anderen und einem Hund dazu, zu senken. Er glaubte selbst für sein Leben und das aller anderen, sorgen zu können, denn er hielt den Hund und seine Spießgesellen für dumm und einfältig. Und so kam einst der Tag, da er beschloss, den Herrscher zu stürzen. Und in finstrer Nacht stahl er ihm die Krone aus dem Schlafgemach.
Als am nächsten Morgen der Hund den Diebstahl bemerkte, war er rasend vor Wut. Umgehend schickte er seine Häscher aus, eine jener Katzen zu ergreifen, die dem Kater ergeben gelauscht hatte. Als diese ins Netz gegangen war, scharte er das Volk um sich und sprach:
„Bringt mir den Kater noch heute oder ich werde die Katze zertreten wie einen Käfer.“
Seine Untertanen verstanden, dass es dem Hund ernst war und sie ahnten darüber hinaus, dass die Katze nur die erste wäre, die für die Tat des Katers büßen müsste. Und so begab ein jeder sich auf die Suche nach dem Kater, der so viel Unglück über sie gebracht hatte.
Der Kater selbst jedoch, saß in einem Versteck und wusste um die Schlinge, die sich mehr und mehr um seinen Hals festzog. In seinem Wahn bat er also einen, von dem er glaubte, er sei ihm wohlgesonnen, um Hilfe, auf dass dieser ihm, bei der Flucht aus der Stadt, beistünde. Doch eben jener, liebte die Katze sehr, die der Hund zu töten gedroht hatte und darüber hinaus verachtete er die Feigheit des Katers, sie für seine Taten büßen zu lassen.
So wieß er den Schergen des Hundes den Weg zum Kater, auf dass dieser selbst für sein Tun einstehen sollte.
Als blutrot die Sonne über den Dächern der Stadt unterging, wurde der Kater vor allem Volk gerichtet. Die Katze jedoch, erhielt die Freiheit und verschwand unter Klagen um das Leben des Katers.
Der Hund aber setzte seine Krone wieder auf, die nun heller strahlte, als je zuvor.
