Die Entdeckung Auryens
Aus Auryen
In der Sammlung der Königlichen Bibliothek zu Sturmspitze ist folgende Handschrift erhalten:
Es ward geschrieben das Jahr 426, im siebenundzwanzigsten Frühling unter der weitsichtigen Herrschaft unserer erlauchten Majestät Kaiser Gothart II., welcher in seiner Weisheit in unseren Landen seit seines Machtantrittes ein Zeitalter des Friedens und des Wohlstandes einläuten sollte.
Am dritten Tage des vierten Monats ward es gewesen, an dem Mattis der Verwegene, auf des Kaisers Geheiß mit zwei Schiffen gen Westen stieß. Dem Sternentränenmeere mit all seinen Gefahren trotzend, dem Wort des Kaisers hörig, auf das er erkunden sollte, was sich verborgen hielt in der Geheimnis umwitternden Ferne, dort drüben, wo Himmel und Meer sich berühren mögen. Und ein Tag der Festes und der Freude ward es gewesen, als beide Schiffe, Aurya und Verselia, ausgelaufen zu jener ruhmreichen Tat, nicht ahnend was sie erwarten würde.
So folgten Tag um Tag, Woche um Woche, an denen Mattis, treu ergeben dem Winde und dem Sterne folgend, jenem Sterne, dem Pol des Westens, der immer an derselben Stelle stehet, das Firmament erhellend seit Anbeginn der Zeit. So trieb es ihn gen des Lichtes hin, durch tosenden Sturm und stiller Flaute, doch nicht verzagend, ward er wohl ein treuer, treuester Vasall in jenen Stunden gewesen. Doch nach Kunde, die getan ward in Wort und hiermit auch in Schrift, sei es der siebenundzwanzigste Tag auf See gewesen, wo sein Unverzagen und sein Mute sich erwiesen, und mit der göttlich Gnade die ihm gewährt, ward er geleitet zu jenen Gestaden, welche fürdem unentdeckt.
So verzeichneten die kaiserlichen Schriftgelehrten den siebzehnten Tag des siebenten Monats, an dem der Segler, Aurya, wiederkehren sollte, einlaufend in den sicheren Hafen des Imperialen Kaiserreichs. Es verbreitete sich geschwind die frohe Kunde, das Mattis der Verwegene, entdeckt eine einst unbekannte Küste. So möge nur wenig Zeit verstrichen sein, bis des Kaisers Edikt erschienen, das die neuen Landen zur Kolonie erhob. Ausgesandt ward so manches Frachtschiff mit Mann und Gut beladen, aufgebrochen mit dem Ziele hinter dem Horizont. So das das Herzogtum, das dort drüben ausgerufen mit des Kaisers Willen, besiedelt werde, rasch wachset und zum starken Arme in der Ferne werde.
Silvius Berngar
Kaiserlicher Schriftgelehrter
24.08. 426 d.I.K.
