Die Prinzessin von Famur
Aus Auryen
Vor vielen Monden einst ward eine Maid,
gesegnet von Götter Händen mit fleischlichem Kleid
so schön wie selten vormals ein Auge gewahr.
Alabaster die Haut, wie Kirschen so rot der Mund war,
nachtschwarz mit Sternenglanz das Haar.
Doch so leer war ihr Herz.
Hoch ihr Stand ward gewesen und ihr Blut ganz von Adel,
begütert das Anwesen, ihr Leumund bar jeglichem Tadel.
Es kamen die Burschen, es kamen die Junker, jedes Fürsten Sohne
der Meinung ward, die Jungfer zu freien sich lohne,
gar glücklich, gar mächtig, ein jeder, der ihr Herze bewohne.
Doch so leer war ihr Herz.
Getrieben von Hunger nach weltlichen Dingen
zwei Städte von Schicksal schwere Entscheidungen begingen.
Jede der beiden in festem Glaube,
die andere sie ihres Rechtes der Heirat beraube
und man das niemals und niemals erlaube!
Doch so leer war ihr Herz.
Und so sie entsandten die Mannen, gar tapfere Streiter
zu erstreiten ihr Recht, zu vernichten die feindlichen Reiter.
Und so eine fürchterliche Schlacht ward geboren,
Viele der Kämpen ihr Leben verloren,
tausendfach Tod durch Habgier beschworen.
Doch so leer war ihr Herz.
Nach endloser, finsterer, grausiger Kampfesnacht die liebliche Maid
im Morgengrauen wandelt zu sehen das Leid.
Zu erlösen die Seelen sie über kalte Leiber schreitet,
mit einem Pfad aus Blumen und Erde den Weg bereitet
und sie ins Licht geleitet.
Und so kalt war ihr Herz.
