Die Träne der Wüste
Aus Auryen
Einst zog eine junge Priesterin des Sonnenvaters durch die Große Wüste, allein und in Gedanken an das Feuerrad, als ihr Auge am Horizont ein Glitzern und Funkeln erhaschte. Von Neugier getrieben näherte sie sich raschen Schrittes der Stelle und sah alsbald vor sich, was sie heran gelockt hatte: Makellos lag eine Kristallträne der Götter vor ihr im Sand und sandte das Licht des Sonnenvaters zurück in jedwede Richtung.
Lange verharrte die Priesterin in Demut vor dem Artefakt, fasziniert von dem Lichtspiel, das sich ihr bot. Schließlich nahm sie es jedoch behutsam an sich, verstaute es in einem Tuch und trug es hinfort in die Stadt Anwa'ar, die Blume der Wüste, zum hiesigen Tempel. Als die dortige Hohepriesterin den Gegenstand erkannte, erstarrte sie beinahe vor Ehrfurcht, doch schließlich gab sie Befehl, einen Schrein zu bauen. Doch keine gewöhnliche Stätte des Glaubens sollte das sein. Vielmehr ein weithin sichtbarer Turm, der ähnlich wie die Kristallträne über das schier endlose Wüstenmeer schimmern sollte.
So ward das Heim des Goldenen Orakels gebaut, denn alsbald offenbarte sich, dass die Kristallträne fähig war, Rat für die Zukunft zu geben. Und da der jungen Priesterin das Artefakt offenbart worden war, erhielt sie den höchsten Rang des Sonnenbannertempels sowie die Aufsicht über den Turm. Seither haben nur noch Frauen das Hohenpriesteramt in den Hallen des Goldenen Orakels übernommen.
