Gier

Aus Auryen

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Sie nannten ihn Elster ob seiner Vorliebe für glitzernde Dinge. Seinen echten Namen kannte niemand in den Gassen der Stadt und woher er genau kam wußte man auch nicht, da es keinen gab dem er vertraute, den er Freund nannte. Überhaupt war nur wenig von ihm bekannt, außer halt das er alles, aber auch wirklich alles tat für Gold oder andere wertvolle Dinge.
Es heißt seine schwarzen Augen schimmernden heller vor Gier und Verlangen, wann immer sein Blick auf einen solchen Gegenstand fiel. Und nichts war sicher vor Elsters Gier, außer vermutlich die Kronjuwelen des Königshauses.
Er war berüchtigt und gefürchtet und voller Selbstvertrauen. Aber für jeden kam wohl einmal jemand der klüger und besser als man selber war. Dies mußte auch Elster erfahren.....

"Und du willst wirklich da hinein?"
Ich hielt meine Stimme so niedrig und leise wie möglich, gerade noch so das der Wind sie mir nicht von den Lippen reißen konnte, bevor sie die Ohren des jungen Mannes vor mir erreichten. Aber eigentlich hätte ich mir die Frage auch sparen können, wußte ich doch im Inneren das niemand diesen Mann vor mir von seinem sich selbst gesteckten Ziel würde abhalten können. Wie als Antwort wurde mir nur ein Blick aus diesen nachtschwarzen Augen zugeworfen, ohne Worte, nur dieses selbstsichere, fast spöttische Lächeln das um diese Lippen lag. Ein lautloser Seufzer entwich mir, kaum mehr als ein heben meiner Schultern, als ich mich fester in die löchrige Decke wickelte, die den Wind kaum abzuhalten vermochte und meinen Blick zu der dunklen Silhouette des Gebäudes hob vor dem wir uns befanden. Es war wohl eines der bekanntesten und am höchsten aufragenden Gebäude in der Stadt, und wie seine Bewohner respektiert aber gefürchtet.
Der Turm der Magier.
Manchmal bereute ich es derjenige zu sein den Elster stets für seine "Ausflüge" als Zeugen erwählte, damit es jemanden gab vor dem er mit seinem Können anzugeben vermochte. Warum es jedoch ein Bettler wie ich sein mußte, bleibt mir ewiglich ein Rätsel. Ich könnte ihn fragen, aber aus Erfahrung wußte ich das Elster solche Fragen ebenso überhörte wie Fragen aus seiner Vergangenheit und Herkunft. Ich seufzte wieder, diesmal wohl lauter denn wieder traf mich der Blick nachtschwarzer Augen, diesmal belustigt glitzernd.

"Keine Sorge, alter Mann. Es wird schnell gehen. Ich gehe hinein und komme wieder heraus mit den schwarzen Perlen, bevor du auch nur bis Hundert gezählt hast."

Da war ich mir nicht so sicher, hatte ich doch nie gelernt bis Hundert zu zählen, bevor ich dies jedoch auch nur erwähnen konnte, klopfte er mir gutgelaunt auf die Schulter und verschmolz mit den dunklen Schatten um uns herum in Richtung Turm. Es schüttelte mich als ich ihn in der Nacht verschwinden sah und schaudernd wickelte ich mich noch enger in meine Ecke und drückte mich gegen die Hauswand, meine Augen unwillkürlich an der Außenwand des Turmes hinauf schweifend. Es war kalt in dieser Nacht, mein Atem bildete kleine weiße Wölkchen vor meinem Gesicht und ich wäre überall lieber gewesen als an diesem Ort. Wenn ich daran zurückdenke, muss ich mich fragen weswegen ich nicht einfach gegangen bin. Elster bedeutete ich nichts, ich war nur Zuschauer wenn er sein Talent einsetzte sich zu holen was er unbedingt wollte. Und ich hatte dieses Glitzern in seinen Augen gesehen als er von diesen schwarzen Perlen berichtete. Er wollte sie und nichts würde ihn davon abhalten sie zu erhalten.
Sie jedoch den Magiern stehlen....
Unruhig bewegte ich mich auf der Stelle ohne jedoch die trügerische Sicherheit der Häuserwand zu verlassen, als ich glaubte einen Laut zu vernehmen, einen Laut in der Luft über mir. Was konnte das sein? Für einen Raubvogel war es zu spät und von Eulen wußte ich das sie leise jagten. Vorsichtig bewegte ich mich einige Schritte vor, meine Sandalen leise Kratzgeräusche auf den geschliffenen Steinen der Strasse erzeugend, und langsam blinzelnd ließ ich meinen Blick umherschweifen.
Ein Schrei, der laut und deutlich voller Angst durch die Nacht hallte, der durch die Stille schnitt wie eine scharfe Klinge, zog meinen Blick zur Spitze des Turmes empor. Oh, diesen Anblick der sich mir bot werde ich niemals vergessen können. Die Spitze des Turmes bestand auf einem aus Schindeln bedeckten Dach, eine Fahne mit dem Wappen der Magier still vom Wind erfasst und umspielt das Zeichen jedem Besucher schon aus der Ferne zeigend. Und an diesem eisernen Fahnenmast klammerte sich ein Wesen, ein Wesen so furchtbar. Fahl schimmerten die Knochen selbst in der Nacht, in der die Mondin ihr Anlitz verbarg hinter den Wolken, als würden sie aus einem inneren kranken Licht erhellt. Schrecklich anzusehen hockte es wie ein Vogel auf der Spitze, seine Flügel die aus nichts weiter als Knochen und Hautfetzen bestanden, beiderseits seines knöchernen Körpers in die Nacht gestreckt. Und an einer seiner Klauen, die es von sich gestreckt hielt, baumelte eine Gestalt, eine Person...jemand den ich selbst aus der Entfernung zu erkennen vermochte.
Elster.
Selbst hier unten vermochte ich die Angst zu erkennen, die Furcht, als er sich an die langen Klauen klammerte als das Wesen ihn immer weiter gen Abgrund hielt, das rote Glühen in den toten Augenhöhlen der Kreatur heller und heller strahlend wie einst die Elsters. Mein Atem stockte, ich bekam kaum Luft, aber fortlaufen war mir unmöglich, mein Blick schien wie gebannt auf diese Szenerie gerichtet. Selbst das mein Herz mir bis zum Halse zu schlagen schien bekam ich kaum mit. Und dann vernahm ich über den Schreien und Wimmern Elsters eine Stimme, zu mir hinunter dringend, in mein Selbst hinein.

"Gier trieb dich hierher, kleines Vögelchen, die Gier nach den schwarzen Perlen, nicht wahr?"

Es lachte und sein Lachen trieb sich wie Messerklingen in meine Ohren, in mein Herz, so voller Bosheit klang es. Weiter hielt es seine Klaue hinaus so das Elster nun völlig über dem Abgrund hing, seine Füße in der Leere so verzweifelt baumelten auf der Suche nach Halt. Fast leise, zischend erklang dann die Stimme des Knochenwesens ein letztes Mal, hielt es seine Vogelähnliche Schnauze nah an den sich windenden Elster.

"Lass mich dir eines verraten, kleines Vögelchen. Versuche niemals einen Magier zu beklauen. Dies ist kein Schatz wert, egal wie sehr du gierst danach. Und nun flieg."

Es wird sich mir wohl für immer ins Gedächtnis gebrannt bleiben, diese langsame Bewegung der sich öffnenden Klaue, das verzweifelte Greifen der menschlichen Hände danach um sich zu halten, das grausame Lachen der Kreatur, das Fallen....hinab....

Sie hatten ihn Elster genannt, das Schattenvolk in den Gassen Sturmspitzes. Seinen echten Namen kannte niemand. So war auf seinem ärmlichen Grabstein auf dem Friedhof nur Elster in krakeliger Schrift zu lesen. Die schwarzen Perlen die auf dem Grabstein lagen und sich nicht entfernen ließen, ... woher diese kamen wußte niemand.

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