Krönung Lilianas I. von Auryen
Aus Auryen
Krönungstag
Und so begab es sich, dass die junge Prinzessin Lilliana von Alberau die schwere Bürde auf ihre zarten Schultern nahm und fortan in aller Munde nur noch als Ihre Majestät Königin Lilliana I. von Auryen lag. Die Festlichkeiten waren berauschend, obgleich noch immer ein leichter Zug von Wehmut durch den Palast wehte, in Gedenken an die Verstorbenenen, König Ruthard I., und seine junge Gemahlin. Wahrlich, die Götter allein waren es, die frohlockten, hatten sie doch nun einen Stern, einen Lichtstrahl mehr, der ihre himmlische Heimstatt erhellen sollte.
Doch wer einmal den Glanz der Weisheit schauen durfte, der weiß, dass das Glück nicht in Vergangenem, nur im Zukünftigen liegt. Und so waren es dennoch frohe, leuchtende Stunden, die die Festgesellschaft im Palast zu Sturmspitze verleben durfte, und von denen noch oft hernach gesprochen wurden.
Doch auch das einfache Volk vergnügte sich in den Straßen und Winkeln der jungen Stadt am Meer, hatten sie doch seit langem keine Freude mehr empfinden dürfen. Die Rote Truppe unter Befehl des langen Farlan, wie er gemeinhin genannt wird, ließ die frohen Töne durch die Gassen schallen, verzauberte die Bürger mit Tanz und Taschenspielertricks. Doch auch nicht unerwähnt bleiben soll ein junger Spielmann, unbekannt, dessen Lied vielen soviel Frohsinn schenkte. Selbst die Scholaren der ansonst so strengen Akademia waren auf dem Fest vertreten, wurden gar beim Tanz erspäht. Nicht einmal die Alten und Ergrauten ließen es sich nehmen, fröhlich mit den Fröhlichen zu sein.
Und so mag man sich nicht verwundern, dass selbst noch in den frühen Morgenstunden, da die Mondin ihr Antlitz längst verborgen und Sonnenvater seines nicht gezeiget, noch immer Musik durch die Straßen schlich, gleich eines Nebels, der das Bedrückte, Traurige aus der Stadt vertrieb.
Öffentlicher Auftritt
Es ward zur Abendstunde des dritten Zamobar im Jahre des Imperialen Kaiserreiches 616, da die junge Majestät Königin Lilliana I. von Auryen vor das Volke trat. Welch Ansammlung ihr seltenes Erscheinen hervorrief, vermag man sich kaum vorzustellen. Einfaches Volk, sowie Adelige, Priester des Himmlischen Paares, Studenten der Akademia, Alte, Junge, Fröhliche und Mürrische waren gekommen, um die kleine Königin mit der schweren Last auf ihren noch so jungen Schultern zu sehen.
Wohlgesetzt waren ihre Worte, versprachen Güte und Milde für die Zukunft, gleichwohl erwähnte sie auch ihren geliebten Vater, dessen würdige Nachfolge durch Herzog Eskil I. von Sturmspitze angetreten wurde. Auch seine Worte sprachen von glorreichen Zeiten, von Herrschaft und Größe, wie sie unser kleines Reich zu erwarten gedenkt.
Wahrlich, ein Freudentag, dieser letzte Tag der Feierlichkeiten. Möge er lange nachwirken und die Freude durch die Straßen und Gassen schwingen lassen.
