Namaarie Alyeria

Aus Auryen

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Hell wie Mondsteine glitzerten die Tränen auf ihren bleichen Wangen, als sie sich mit dem Körper in ihren schlanken Armen vor und zurück wiegte, Perlen gleich die Tränen auf den leblosen Leib hinab tropfend. Sie jedoch merkte nichts von dem Schnee, der um sie herum lautlos vom grauen Himmel fiel und die beiden Elfen mit einer weichen, aber kalten Decke aus Schnee bedeckte. Einem Leichentuche gleich. Sie bemerkte die Kälte nicht, die durch den feinen Stoff ihres silbernen Gewandes an ihre Haut drang. Sie bemerkte nicht die Eiskristalle, die sich an ihre goldenen Haare legten wie glitzernde Diamanten. Sie spürte nur die Wärme, die nach und nach den Körper, den sie an sich geschmiegt hielt, verließ und die Kälte in ihn hinein kroch.
Die Kälte des Todes.
Einst gepriesen ihre Stimme wie der Klang von kleinen Glöckchen, strömten ihr die Worte mit heiserer bittender Stimme nun von den aufgesprungenen Lippen:

"Bitte verlasse mich nicht, Celthion. Du hast versprochen für immer bei mir zu bleiben."

Nur Stille antwortete ihren Worten und weitere Tränen fielen lautlos von ihren Wangen auf sein Gesicht, als sie den Blick langsam senkte, bahnten sich eine langsame Spur durch das getrocknete Blut das an den bleichen Wangen haftete.

"Du hast es versprochen."

Eine zierliche Hand hebend, die kalt und blass ob der Kälte, streichelt sie zart eine schwarze Haarsträhne aus der hohen Stirn, des Blutes nicht achtend, das an ihren Fingern haften blieb. Allein lag ihre Aufmerksamkeit auf dem leblosen Gesicht des Mannes, den sie geliebt. Doch kein Zucken eines Augenlides über den tiefblauen Augen, die für ewig geschlossen nun, kein heben eines Mundwinkels um sie anzulächeln galt ihr mehr.
Ihre Hand wieder senkend, schlang sie ihre Arme wieder fester um seinen Körper und presste ihr Gesicht mit einem leisen Schluchzen an seine Brust, ihr goldenes Haar über ihn fließend wie Sonnenstrahlen. Jedoch konnte sie ihm keine Wärme mehr geben.
Er hatte sie verlassen, trotz seiner Worte, trotz des Versprechens, das er ihr vor so langer Zeit gegeben hatte.
Lautlos die Tränen über ihre Wangen rinnend, setzte sie sich wieder auf und sah auf seinen kalten Leib hinab. Fast wirkte es, als würde er nur schlafen, so friedlich sein Gesicht, so voller Ruhe.
Zart ließ sie ihre Fingerspitzen wieder über sein bleiches Gesicht fahren, eine nachtschwarze Haarsträhne silbern glitzernd besprenkelt von Eiskristallen hinter sein Ohr legend.
Aber er schlief nicht einfach nur, er würde nie mehr erwachen um sie anzulächeln. Dieser Schlaf würde ewig währen.
Eine einzelne ihrer Tränen fiel auf seine Wange herab.

'Ich liebe dich.... Namaarie,.. Alyeria...', hatte er mit Blut benetzten Lippen gewispert, seine Stimme schwach und kraftlos.

Wieder löste sich ein leises Schluchzen von ihren rissigen Lippen, als sie sich erinnerte...sich erinnerte, wie der Glanz aus seinen Augen geschwunden ward und sie leblos und starr gen Himmel blickend zurück ließ.
Ein noch entferntes Geräusch ließ ihren zierlichen Körper zusammen zucken, ließ sie ihren Kopf ruckartig zur Seite wenden, so das ihre goldenen Haare über den Körper ihres Liebsten fielen.
Sie kamen zurück. Sie hatten ihre Spur gefunden.
Sie kamen...
Die Mörder ihres Liebsten. Gegen die er so tapfer gekämpft auf ihrer Flucht und von denen er die Wunde empfangen, die ihm letzendlich das Leben gekostet.
Angst und Panik rührten sich in ihr. Was tun? Wohin fliehen vor ihnen...
Ihre langen Beine zuckten als wolle sie aufspringen und wie ein Reh in Panik davon springen. Ein leiser Seufzer der ihren Lippen entwich, nahm auch die Panik mit sich und obwohl ihr Körper starr vor Furcht, sprang sie nicht auf, floh sie nicht, ließ sie ihren Liebsten nicht zurück. Wohin sollte sie fliehen? Warum sollte sie fliehen, wenn Leben ohne ihren Liebsten wertlos. Wozu fliehen, wozu leben, wenn derjenige, für den sie gelebt, tot in ihren Armen lag?
Mit Augen blind vor Tränen hob sie den Blick, achtete sie nicht länger auf die näher kommenden Geräusche, auf das Grunzen und die Schreie.
Nur ein sanftes Zittern ließ ihren Körper beben, als sie zu der Krone des Baumes aufsah, an dem sie Schutz gesucht, dessen kahle Äste sich gen des grauen Himmels streckten.
Bald würde er als einziger Zeuge sein, wie erneut Blut den Schnee zu seinen Wurzeln rot färbte.
Sie machte sich keine Hoffnungen, sie wußte was die Ork mit Gefangenen taten, selbst noch mit den Toten. Weiter rannen die Tränen ihre Wangen hinab, quollen unter ihren Augenlidern hervor. Was konnte sie bloß tun, ihren Liebsten vor diesem Schicksal zu bewahren? Allein der Gedanke, dass er unter den Waffen der Ork zerstückelt werden würde, sein schöner Leib in Stücke gehackt, seine Knochen bleich im Schnee, der Rot von Blut.
Sie mußte etwas tun.
Ihre Augen wieder öffnend traf ihr Blick wieder auf den Baum vor sich. Vielleicht gab es eine Möglichkeit ...
Tief in sich selbst hinein schickte sie ihre Seele, schickte sie ihr Selbst auf der Suche nach der Kraft, nach der Magie, der sie vor so langer Zeit entsagt, als sie ihre Liebe zur Erfüllung gebracht. Ein letztes Mal wollte sie sie gebrauchen. Ein letztes Mal um ihren Liebsten zu schützen.

"Höre meine Bitte die aus tiefsten Herzen kommt, Silberbuche. Ich bitte dich...höre mich..!"

Silbriges Licht löste sich von ihren Händen und umfing sie, wie Lichtranken gleich, schimmernd, kaum zu erkennen vor dem weißen Schnee, als er langsam sie beide umfing und auch den Stamm des Baumes.
Die Magie ließ sie fast wieder lebendig fühlen und ein letztes Lächeln legte sich um ihre Lippen, als sie dem Baume ihren Wunsch offenbarte, ihm ihr Herz öffnete, auf das er in ihr zu lesen vermochte.
So gefangen ward sie in ihrer Magie, dass sie die herankommenden Ork nicht vernahm, nicht ihre hasserfüllten Augen auf sich gerichtet sah, die rostigen, mit getrocknetem Blute verschmierten Waffen in ihren Händen nicht wahrnahm.
Sie verspürte auch nicht, als die erste Waffe tief in ihren Körper schnitt, die feinen Knochen zerbarsten, die weiche Haut mit Blut benetzte, schimmerndes goldenes Haar schwer von Blut ihren Körper herabhing. Sie empfand keinen Schmerz, sie empfand nur die Magie und die Anwesenheit des Baumes, als er mehr und mehr erwachte - und ihre Bitte schließlich erfüllte.
Laute Schreie des Schreckens und der Schmerzen entwichen den Ork, als mit einem Male rund um die Elfe wurzeln aus dem gefrorenen Boden sprangen, wild wie Schlangen um sich schlagend. Und sich sanfter und langsamer um die beiden Elfen wandt, sie näher an den Stamm des Baumes heran zogen, das silberne Licht greller und greller wurde und langsam einen grüneren Farbton annahm.
Als die Orks schließlich wieder zu sehen vermochten, als das Licht langsam verebbte, erinnerte nur das Blut auf dem Schnee an die beiden Wesen, die sie verfolgt hatten.
Und vor ihnen streckte die Buche ihre mit silbern schimmernden Blättern bedeckten Äste weit in den grauen Himmel hinauf.

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