Raenry
Aus Auryen
Die Steppe war zu einen unwirtlichen Ort geworden. Trull Sengaarr führt die kleine Gruppe von Spähern an. Sie mussten etwas zu fressen finden, sonst würde ihr Clan schwach werden und vernichtet. Nein, sowas durfte nicht geschehen. Der Krähenfuss-Clan musste stark sein.
Er grunzte einem jüngeren Ork zu und deutete auf ein Rauchsignal im Süden. Er bellte kehlige Laute dem Spähertrupp zu und sie beschleunigten ihre Schritte.
Sie kamen an ein mickriges Wäldchen. Von weitem schon hörten sie die Laute derjeningen, die dort Feuer machten. Die Orks teilten sich auf und umzingelten den Lagerplatz der Fremden.
Trull Sengaarr betrachtete die Wesen. Sie waren schwach und klein und so hellhäutig. Sie trugen sonderbare Felle, da war sich Trull Sengaarr sicher. Solch Felle waren ihm unbekannt. Er brüllte einen orkischen Laut und von überall erhoben sich die Orkspäher und schwangen ihre grobschlächtigen Hackebeile und riesige Äxte. Wild brüllend und grunzend griffen sie den Siedlertrack an.
Die schweren Äxte der Orks zertrümmerten Schädel, schlugen Arme und Beine ab, rissen die Gedärme aus zuckenden Leibern.
Am Ende des Tages bekam der Krähenfuss-Clan reichlich Fleisch und Felle. Trull Sengaarr betrachtete diesen merkwürdig kleinen Schädel in seinen Händen. Das größere Wesen kämpfte wie eine Löwin für dieses winzige und schwache Wesen. Er lachte brüllend , als er begriff, was er dort erbeutet hatte und riss genüsslich einen Arm aus dem Kinderleib.
Die Krähen hatten ihr morbides Werk längst vollendet, als Raenry, Alaeniver und Corraent zu den verkohlten Überresten zurückkehrten, die einst ihre Heimat darstellten. Es gelang ihnen lediglich anhand der getragenen Schmuckstücke die entsetzlich zugerichteten Körper voneinander zu unterscheiden, hatten die Schnäbel der Aasfresser doch dort den letzten Funken Indiviualität aus den Gesichtern gepickt, wo das Antlitz von Keule und Axt verschont geblieben war.
Raenry wusste nicht, ob es sich bei dem blutigen Bündel, welches er behutsam im Arm wiegte, um sein eigenes Kind handelte. Es machte keinen Unterschied. Dort, wo unbändiger Zorn heiss in seinen Adern toben sollte, befand sich nur eisige Leere. Das leise Wehklagen von Überlebenden, über denen sich Alaenivers schlanke Gestalt beugte und Mohnblumensaft verabreichte, damit sie sanft in die Dunkelheit des ewigen Schlafes glitten, erreichte ihn ebenso wenig wie der Gestank der verbrennenden Leiber, die Corraent den Flammen übergab, da sie nicht wagten, zu lange an diesem Ort des Schreckens zu verharren und den alten Traditionen des fahrenden Volkes folgend die Toten unter die Erde zu bringen.
Mit trägem Flügelschlag erhoben sich die Krähen von den letzten Überresten der Siedler, setzen sich in den Ästen der kleinen Lichtung nieder, ihr Gefieder wie schwarze Mäntel um sich gehüllt und beobachteten mit gierigen Knopfaugen wie Raenry teilnahmslos den kleinen Körper aus seinen Händen zu Boden gleiten ließ. Langsam erhob er sich, seine alsmals bunte Kleidung besuldet vom getrocknetem Blut und taumelte unsicher auf den Rand der Lichtung zu, jeder seiner Schritte begleitet vom höhnischen Krächzen aus unzähligen Schnäbeln über ihm. Dort, wo sein Fuss aufsetze, setzten schon bald Funken des großen Feuers das niedergetretende Gestrüpp in Brand.
Irgendwo hinter ihm brach Alaenivers Stimme, als sich Wut und Trauer in einem verzweifelten Aufschrei vermischten. Der dichte, schwarze Rauch der sich rasch über die Steppe ausbreitenden Flammenwand stieg wie ein mahnender Zeigefinger gen Himmel, als Raenry die kleine Lichtung und die verbrannten Überreste der Wagen und Zelte hinter sich ließ. Seine beiden Gefährten, die letzte Verbindung zu seinem bisherigen Leben, wurden in sich zusammengesackt von ihren Pferden gen Norden getragen. Bald schon trat er aus dem kleinen Wäldchen hervor, die weite Steppe vor ihm stand im Kontrast zu der Leere in ihm. Schritt für Schritt trieb es ihn fort.
Zeit hatte keine Relevanz und so konnte Raenry nicht sagen, ob Stunden oder Tage vergangen waren, als warme Tropfen die Zeit der Dürre beendeten.
