Regennacht
Aus Auryen
Es regnete in der Nacht als es geschah.
Still fielen die Tropfen vom dunklengrauen Himmel herab, trafen lautlos auf der Erde auf. Die Grashalme bogen sich unter der Last der schweren Tropfen gen Boden, tanzen scheinbar einen Tanz als sie bei jedem Tropfen auf und ab wippten.
Die düstere Gestalt schien den Regen nicht zu bemerken als er schweigend und wie leblos auf die Frau vor sich hinabsah. Bemerkte nicht wie seine blutige und zerissene Kleidung vom Regen durchnässt wurde, wie der Stoff an seiner Haut zu kleben begann.
Dunkle Haare bedeckten ein Gesicht, das zu jung schien, zu jung für die kalte Leere in seinen grauen Augen.
Ein Lichtfunke brach sich in der Klinge des schlanken Schwertes, als der junge Mann die Waffe vor und zurück zu bewegen begann, die Regentropfen von der hellen Klinge hinab perlend zur Spitze um von dort zur Erde zu fallen.
Mit sich nehmend die letzten Reste roten Blutes.
Tote Augen sahen hinab auf die leblose Frau, ihre Gliedmaßen ausgestreckt wie bei einer lieblos hingeworfenen Puppe. Blaue Augen leblos in den Nachthimmel starrend, der Regen sich dort sammelnd, so das es wirkte als würden ihre Augen vor zurück gehaltenen Tränen schimmern. Sie würde jedoch nie wieder weinen, nie wieder eine Träne vergießen, nie wieder lachen.
Sie war ihm genommen worden, aus dem Leben gerissen mit der Klinge, die er nun hielt. Tief in ihre Brust gerammt...
Lauf, Jirooo! Lauf weg!
Ein leiser Laut tief aus seiner Brust, fast ein verzweifelter Schrei löste sich von der jungen Gestalt und das Schwert begann in seiner Hand zu zittern, salzige Tränen seine Regenassen Wangen hinab fließend.
...welch Glück...schau was uns da über den Weg gelaufen ist. 'Kalt...so kalte Augen, bar jeder Gefühle.'...wollen wir nicht ein wenig...spielen..?
Lauter und lauter schraubte sich der Schrei aus seiner Kehle, als das Zittern seiner Hand sich durch seinen gesammten Körper zu winden begann.
..das fast sanfte Geräusch einer Klinge die durch die weiche Haut und den Körper drang....
.. tote Augen die mit einem traurigen aber auch ungläubigen Ausdruck auf das Schwert starrten das aus ihrer Brust gen Himmel ragte....
"Muutttteeeeeerrr!!!!"
Für einige Sekunden schien selbst der Regen nachzulassen als der Schrei sich gen des grauen Himmels erhob, die Stille zerriß.
..eine blutige Hand die sich senkte und das Schwert aus dem Körper der Frau zog....
Mit einem Wimmern endete der Schrei, verlor sich im Rauschen des Regens der unverändert zu Boden prasselte, als würde selbst der Himmel um sie weinen. Nur das leise fast melodisch erklingende Geräusch der auf die Klinge des Schwertes prasselnden Regentropfen vermischte sich mit dem Rauschen.
...sei bei mir, Rächerin,...lasse heute Nacht dein rotes Licht die Nacht erfüllen...
Schmale Schultern schüttelten sich sachte als leise abgehackte Schluchzer dem jungen Manne entwichen, das Gras über seine Füße streichend als er sich langsam abwandte, seine Hand sich feste um den Griff des Schwertes legend.
Des Schwertes das seine Mutter tötete.
..was willst du mit dem Schwert, Kleiner? 'Lachen schraubte sich gen Himmel,..so grausam...voller Hohn...blitzende Augen von allen Seiten'...schneid dich nicht...
Schweigend, außer dem sachten Geräusche leisen Schluchzens, schweiften graue Augen durch die düstere Nacht, die dunklen Wolken die Nacht noch finsterer erscheinen lassend. Aber er mußte nichts sehen um zu wissen wo sie lagen. Langsam schlossen sich die Augen dann, als die Erinnerung ihn schließlich überkam und er sich tief hinein sinken ließ.
"..seht nur er lächelt...hast wohl keine Angst, Kleiner. Aber solltest du...wir werden dich zu deiner Mutter schicken..ihr seid nicht mehr wert als der Dreck unter unseren Füßen, elendes Gesindel."
"..ach sei nicht so gemein zu dem Jungen...lassen wir ihn doch einmal zuschlagen bevor wir ihn seiner Mutter nachschicken..."
Wuterfüllte graue Augen hoben sich als die Männer vor ihm wieder in lautes Siegessicheres lachen verfallen. Sie waren sich so sicher....fürchteten den schlacksigen jungen Man vor sich nicht...
Ein diffuses Licht läßt die Klinge aufblinken als sie sich mit jedem Herzschlag ein Stückchen höher hebt.
"Du hast keine Chance, Junge. Gib einfach auf. Gesindel wie ihr seid hier nicht willkommen im großen Reich des Imperiums. Euer Land wurde annektiert."
Fast ruhig sprach der eine Mann der bisher geschwiegen hatte, der Mann der seiner Mutter das Schwert in die Brust gerammt hatte.
"Ihr seid jetzt überflüssig, brauchen wir doch nur euer Land. Deswegen wird niemand sich darum kümmern ob ihr lebt oder sterbt."
"Ja, genau. Man hat sogar ein Kopfgeld auf dein Volk ausgesetzt, Junge. Für jeden Kopf kriegen wir 50 Goldstücke." Hässliche kleine Augen in einem aufgedunsen erscheinenden Gesicht richteten sich auf den jungen Mann, suchten sie seinen Blick um sich an seiner Angst zu ergötzen.
Schmale Hände umgriffen das Schwert fester, die Fingerknöchel weißlich durch die dünne Haut hervortretend.
"Also sei glücklich und froh, Junge." Noch weiter beugte sich der Mann mit den Schweineaugen zu dem Jungen vor, sein faul riechende Atem ihm ins Gesicht wehend. "Das deine Mutter und du selbst im Tode uns noch nutzen..."
Mitten im Satz hielt der Mann inne, seine kleinen Augen sich ungläubig weitend, hilflos bewegten sich seine Lippen, rotes Blut von seinen Mundwinkeln tropfend.
Sehr langsam hob der junge Mann seinen Kopf, schwarze Haare von seiner Stirn zur Seite fallend. Und mit grauen Augen die bar jeder Gefühle schienen, begann er die Klinge in der Brust des Mannes vor ihm zu drehen, nur ein geisterhaft erscheinendes Lächeln um seine Lippen spielend als ein schmerzerfülltes und von Blut ersticktes Gurgeln die Antwort war.
Blut spritzte von der schlanken Klinge zu Boden und der Mann stürzte leblos zu Boden, sein Blut sich still auf dem Gras ausbreitend.
"Du Bastard! Dafür wirst du büßen!"
Mit einem lauten Wutschrei der die Nacht erfüllte stürzte sich der andere Mann auf den jungen Manne, der mit gesenkten Schwert vor seinem gefallenen Kameraden stand. Blut tropfte von der Klinge langsam aufs Gras hinab.
Weit hob sich dann die größere Waffe des Mannes über seinen Kopf, die Klinge blitzte auf....
Mit einem letzten trockenen Würgen erbrach der Junge seine Mahlzeit auf das nasse Gras, seine Schluchzer abgehackt klingend als er immer wieder den Kopf schüttelte.
Wie konnte dies nur geschehen....
Er senkte seinen Blick auf das Schwert in seiner Hand, das er immer noch umklammert hielt, als wäre er nicht fähig es loszulassen. Das Schwert das seine Mutter tötete. Das Schwert mit dem er zwei Männer getötet hatte.. die Mörder seiner Mutter.
Sich mit einem Ärmel den Mund wischend erhob er sich auf zitternde Beine, erst jetzt den Regen registrierend der vom Himmel herabströmte und jedes Blut vom Boden und von den drei Leichen fortwusch. Aber das Blut an seinen eigenen Händen....
Hilflos sah er auf seine Hände hinab. Das Blut ward fort, jedoch in seinen Kopfe sah er es noch an ihm kleben. Es würde sich nie wieder fortwaschen lassen.
Seine grauen Augen richteten sich auf die Gestalt seiner Mutter, dann zu den beiden Männern nur wenige Schritte entfernt.
Sein Volk ward unnütz? Sie wollten nur das Land und gaben sogar Kopfgeld auf sein Volk aus?
Sachte ballten sich seine Hände wieder zu Fäusten.
"Ich kann hier nicht bleiben, Mutter." Kaum mehr als ein Wispern ward seine Stimme. "Ich muss fort, damit sie mich nicht finden. Aber ich werde dafür sorgen das das Imperium..*spuckt angewidert aus*..dafür bezahlen wird. Irgendwie..."
Seine schmalen Schultern zuckten als er sich langsam abwandte. "Verzeih das ich dich nicht beerdigen kann wie es dir zusteht. Wache über mich im Reiche der Toten."
Nur der Regen blieb und strömte weiter mit einem leisen Rauschen vom Himmel herab, als die Gestalt des jungen Mannes sachte in der Dunkelheit verschwand, das Schwert feste in seiner Hand.
