Sieg in der Wüste
Aus Auryen
Bericht eines Soldaten
Der Tag zog langsam daher und unaufhörlich brannte der Sonnenvater auf die Helme und Kettenhemden der Soldaten. Dabei war ihm egal, ob sie oben auf den Zinnen standen oder draußen in der Ebene, wo die flirrende Luft nur ab und an von einem heißen Wüstenwind bewegt wurde, der jedoch nicht für Abkühlung sorgte, sondern den Männern den Sand in die Augen blies. Doch meist hingen die Fahnen schlaff an den Masten der zahllosen Türme, deren Dächer neben den hunderten von Speerspitzen und Schilden in der Sonne blitzten und die Sicht erschwerten, die das grelle Licht ohnehin schon einschränkte und ein jeden häufig blinzeln ließ. Tagelang hatte das Heer nun die prächtige Stadt schon umstellt und die Jüngeren unter den Fremden begannen bereits zu murren. Den alten Haudegen hingegen war die Gleichgültigkeit ins Gesicht geschrieben. Weder der gleichmäßige Schlag der Trommeln, die Tag und Nacht die Belagerung verkündete, noch das Messerwetzen der Feldscherer, die ihre Klingen für die kommende Arbeit schärften, brachte sie aus der Ruhe.
Mit einem Male verstummten die Trommeln jedoch, die Feldscherer ließen von ihren Messern ab und hoben wie alle anderen die Köpfe, um in Richtung der großen Tore zu blicken. Langsam öffneten sich deren Flügel und die Soldaten umschlossen ihre Waffen fester, drückten die Helme tief ins Gesicht und klirrten mit den Ketten. Doch kein Geschrei erklang, kein Pfeilregen setzte ein. Stattdessen ritt ein einzelner Reiter aus dem Tor. Hoch aufgeschossen, mit wehendem Haar und stolzem Blick, saß er auf dem pechschwarzen Tier, über seinem Kopf eine weiße Fahne haltend. So hielt er zielgenau auf das Zelt des obersten Befehlshabers zu, wo er unbehelligt absprang und im Inneren verschwand, während das stolze Ross zurückblieb und treu auf seinen Herrn wartete.
Es dauerte eine ganze Weile, bis der Reiter wieder herauskam, sein Pferd bestieg und auf gleichem Weg gefahrlos zurück kehrte. Als sich die Tore hinter ihm nicht schlossen, verbreitete sich ein Gerücht hinter vorgehaltener Hand zunächst, wenig später in lautem Stimmengewirr, wie ein Lauffeuer. Wenig später kam Bewegung in die verschiedenen Kampfverbände, das Gerücht bestätigte sich und es dauerte keine Stunde, bis der Zug der Soldaten, geordnet die Grenze der Stadt passiert hatte.
