Sonne und Mond

Aus Auryen

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Diese Sage ist bislang nur ein Fragment.


Sanft klang das Rauschen des Meeres an ihre Ohren. Nah und dann wieder fern. Es erschien ihr wie der Herzschlag des Meeres. Der Herzschlag der Welt.
Blaue Augen wanderten sachte zu den Wellen. Weißer Schaum bildete sich auf den Wellenspitzen als sie an den Strand rollten, um ihre bloßen Füße leckten, ihre Haut umspielten um dann wieder langsam ins Meer zurückzukehren wo sich schon eine neue Welle bildete. Es war so schön, das Meer.
Haare, so weiß wie der Meeresschaum, spielten um ihre Schultern als sie den Kopf zurück lehnte gegen das so harte Holz hinter ihr. Ihr Blick sich zum weiten Meer wendend, das mit goldenen Tupfen bedeckt schien als die letzten Strahlen der untergehenden Sonne auf die Wellen trafen.
Golden, so wie seine Haare gewesen waren. Pures Gold, aber in ihrer Natürlichkeit soviel schöner als alles Gold oder Silber auf der Welt.
"Sieh nur genau hin. Die Flut kehrt heim an den Strand. Und sie wird dich verschlingen und mit sich nehmen."
Rauh klang die Stimme an ihre Ohren, so disharmonisch klingend in der sanften Melodie des Meeres.
Ihre Lippen aufeinander pressend wandte sie langsam den Kopf um über ihre Schulter nach hinten zu sehen zu den anderen, ihren Zuschauern, während eine weitere Welle warm um ihre Füße spielte.
"Auch ihr werdet eure Strafe noch erhalten, Mörder." Nicht mehr als ein Wispern formen ihre Lippen, ihre blauen Augen mit einem inneren Feuer auf Haniken Rotfeder sehend. Kurz zucken ihre Mundwinkel als sie beobachtet wie er unter ihrem Blick einen Schritt zurück weicht, bevor sie langsam und mit einem Ausatmen ihre Augen schloß.

"Mondhaar! Mondhaar!"
Weiß schimmernde Haare flatterten leicht hinter ihr als die schlanke Gestalt um eine Häuserecke bog, ihr Atem in schnellen fast panischen Zügen ihre Kehle verlassend. Fort, nur fort von der Menge deren Schreie in ihren Ohren gellte.
"Mondhaar! Hexe!"
Eine Hand aus der Dunkelheit heraus packte ihren Arm, umschlang ihn und bevor sie mehr als einen dumpfen Schrei ausstoßen konnte wurde sie zur Seite gezerrt.
Dunkelheit umgab sie als eine Tür zuschlug, ihr Atem in lauten keuchenden Atemzügen ihre Lippen verlassend, ein Zittern durch ihren zierlichen Körper rinnend.
Ihre Augen sich weitend als das nun gedämpfte Geschrei der Menge erst anschwoll-um dann leiser zu werden und schließlich zu verstummen als sie sich entfernten.
"Keine Angst sie sind fort."
Ihr Atem stockend wandte sie sich langsam um als ein warmer Lichtschein hinter ihr erwachte, ihren Schatten an die Wand des Zimmers werfend in das der Fremde sie gezerrt hatte. Ein sanftes Lächeln erwiderte ihren erschrockenen Blick. Warme braune Augen mit der Wärme der Kerze in seiner Hand konkurierend.
"Wer seid ihr?" wisperte sie.
"Mein Name ist Genaro. aber besser bekannt bin ich wohl als der Barde Sonnenvogel..."

Das sanfte Spiel des Meeres um ihre Unterschenkel riss sie wieder aus ihren Gedanken fort, glitzernd eine einzelne Träne ihre Wange hinab rinnend um dann hinabzufallen und sich mit dem Meer zu vereinen.
Ihre erste Begegnung mit Gerano. Es stand ihr noch so klar vor Augen. Er hatte sie gerettet. Nicht nur vor der aufgebrachten Menschenmenge, auch vor sich selbst wenn sie dies auch erst soviel später sah.
Sie wußte noch wie sie noch einige Stunden in diesem leeren Raum verbracht hatten, bevor sie ihn gemeinsam verließen, sie eine stinkende Mütze über dem Kopf um ihre auffälligen silbernen Haare zu verbergen.
Ein Lächeln schlich um ihre Lippen.

"Lächel nur, Hexe! Bald wird das Meer dich verschlungen haben und nichts bleibt von dir, nicht einmal Erinnerung!"

Hart und mit einem Hauch Hysterie erklang Rotfeders Stimme selbst über dem Tosen des Meeres, aber sie achtete nicht darauf. Sollte er reden. Sie hatte keine Angst vor dem Meer. Und wenn es sie mit sich nahm würde sie doch endlich wieder mit ihrem Geliebten vereint sein. Für immer.


"Sieh nur, Sonnenvogel. Dort sind Delphine!"

Aufgeregt deutete sie auf die glänzenden silber-grauen Körper die spielerisch aus den Fluten des Meeres heraussprangen und für einige Herzschläge in der Luft hingen, so das es wirkte als würden sie fliegen.

"Ja. Wunderschön." Still lächelte er in sich hinein als er statt auf die Delphine auf sie sah, auf ihr in der Sonne schimmerndes Haar, auf ihre glänzenden blauen Augen.

"Ach, du achtest ja garnicht auf sie!" Trotz ihrer Worte lachend warf sie ihm eine Handvol Sand nach ihm. "Spinner! Erzähl mir lieber die Geschichte weswegen du mich hierher gebracht hast."

Zufrieden schmunzelnd setzte er sich auf und schlang seine langen Arme um ihre Gestalt, sein Gesicht in ihren duftenden Haaren vergrabend. Er mußte sich selbst loben. Sie damals zu retten-war es wirklich schon einige Monate her?-war eine seiner besseren Ideen gewesen. Als sie sich an ihn kuschelte wurde sein Schmunzeln zu einem Lächeln und er zog sie enger an sich.

"Weißt du..", begann er mit ruhiger Stimme die sein Mondhaar immer als Erzähler-Stimme bezeichnete," es gibt eine alte Legende über eine kleine Insel die nur wenige Meilen in dieser Richtung an der östlichen Küste Auryens liegen soll." Seine Hand kurz von ihr lösend deutete er auf das Meer hinaus, in dem sich golden die untergehende Sonne spiegelte.

"Viele Leute haben bereits nach ihr gesucht, sie jedoch nie gefunden. Großartige Schätze sollen auf ihr liegen, nur darauf wartend das sie gefunden werden. Doch es kam niemals dazu. Selbst gesehen haben sie nur wenige und dann auch nicht mehr als als schimmernden Schatten am Horizont. Egal wie sehr sie in ihren Booten und Schiffen ruderten, sie kamen nie näher an sie heran."

"Wie traurig." Leise wisperte sie, ihre Augen auf das Meer gerichtet als hoffte sie die Insel dort zu erblicken.

"Ja, vielleicht. Aber ich glaube sie fanden sie nur nicht weil es ihr einziger Wunsch ward die Schätze zu finden. Sie wollten nicht einfach nur zur Insel um ihrer willen und wer von Gier getrieben wird, wird sie niemals erreichen."

Sanft festigte er seine Umarmung um sie. "Aber vielleicht werden wir sie einst finden und dann werd ich dir ein Lied singen, das ich nur für dich schrieb. Dort, auf der Insel..."


Kälte betäubte ihren Körper, doch sie spürte die Kälte nicht mehr. Salzwasser benetzte ihre Lippen, drang in ihre Nase. Sie spürte dies nicht. Ein Lächeln lag um ihre Lippen, denn sie fürchtete den Tod nicht mehr. Nicht wo Sonnenvogel schon vorausgegangen ward und auf sie wartete, sie mit sich nehmen würde.

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