Va'rian
Aus Auryen
Das Wüstenvolk ist, neben dem Klippenvolk, dem Imperialen Volk und den Barbarenvölkern, eines der vier Menschenvölker.
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Allgemeines
Das Volk der Va'rian gehört zu einer der "jüngeren" Eroberungen des Imperialen Reiches in sein Herrschaftsgebiet. Hatte 428 dIK Kaiser Gothard II. noch vergeblich seine Truppen in die Weite der Wüste geschickt, hatte Armhard II. 514 dIK mehr Glück, um das "Volk der Wüste", wie es sich selbst nennt zu unterwerfen.Was genau damals während des Kreuzuges jenseits der Ostgrenzen des Imperialen Reiches geschah, wissen wohl nur die Beteiligten. Gerüchten nach, zog der Kaiser einer Niederlage entgegen, als er sein Heer in die Wüste, seit Hunderten von Jahren Heimat der Va'rianer, schickte. Nur durch einen Trick soll es ihm gelungen sein, das stolze Volk und seine blitzenden Schwerter zu besiegen und so ins Imperiale Reich einzugliedern. Was genau dieser Trick gewesen sein soll, weiß niemand. Aber viele Bewohner des Imperiums sind noch heute verwundert, wenn sie beobachten, dass Mitglieder dieses Volkes, anders als die anderen besiegten Völker, wie Gleichberechtigte im imperialen Heer behandelt werden.
Ob ihrer dunklen Hautfarbe behaupten viele Einwohner des Reiches, dass ein Fluch des Sonnenbanners die Va'rian getroffen, dass er ihre Haut mit seinen zornigen Strahlen verbrannt habe. Und das sie deswegen so behandelt würden, auf das ihr Fluch nicht auf andere übergehe.
Die Va'rian selber sehen ihre dunkel gefärbte Haut jedoch als einen Segen des Sonnengottes an und verehren ihn als ihren Schutzgott. Überhaupt ist dieses Volk sehr stolz und geheimnisvoll. Nur wenigen verraten sie ihre inneren Stammesrituale und noch weniger erlangen die Freundschaft eines Mitgliedes dieses Volkes. Auf ihre Feindschaft ist jedoch niemand aus, sind sie doch grausame Gegner, die nicht dafür zurück schrecken, jemanden bis ans Ende der Welt zu verfolgen, um "Gerechtigkeit" oder Rache zu erlangen.
Das Volk der Va'rian teilt sich in zwei Gruppen, die im folgenden näher erläutert werden sollen.
Die Beduinen der Wüste
Vier Stämme bevölkern die Weiten der Großen Wüste. Die Nadra, die Antankara und die Goha sind wilde Reitervölker, die lange ihren Lebensunterhalt durch Raubzüge sicherten und immer wieder in die Dörfer des Imperiums nahe des Wüstenrandes einfielen, um sich zu nehmen, was ihnen gefiel. Seit der Unterwerfung durch Kaiser Armhard II., 514 dIK, mussten sie dies einstellen. Seitdem verdingen sie sich als Söldner oder eifern den Uche nach. Die Uche waren von jeher friedliche, aber geschickte Händler, die zwischen der Blume der Wüste und den nahen größeren Städten und Dörfern des Imperiums in Wüstennähe Waren austauschten.
Doch obwohl alle vier Stämme nun befriedet wirken, hallen die Rufe der Geschichte noch nach. Wie eh und je wird ein jeder Stamm von dem Stärksten ihrer Mitte regiert. Wie immer schon mag jeder Volljährige den Stammesführer zum Zweikampf fordern, um dessen Platz einzunehmen. Und der Ruf der Führer ist groß und ihre Namen und Geschichten werden von Generation zu Generation weiter gegeben.
So ist nicht verwunderlich, dass noch heute jene Vier verehrt werden, die einst das Volk der Va'rian einten, um die große Stadt Anwa'ar zu gründen und dem Feind zu widerstehen. Zwar haben sich die Stämme gegen das Leben in der Stadt entschieden, doch die Ehre dessen aus ihrer Mitte, der dorthin geschickt wurde, um die Herrschaft über das Wüstenvolk zu erstreiten, ist beinahe grenzenlos.
So kennt ein jeder die Namen Younes, vom Stamm der Nadra, Hischam, vom Stamm der Goha, Jalil, vom Stamm der Uche und Munawwar, vom Stamm der Antankara, der der erste Amjad von Anwa'ar war.
Die Sesshaften
Es gibt eine Reihe von kleineren Oasen in den Weiten der Großen Wüste, die alle von sesshaften Va'rian bevölkert werden. Die größte und bekannteste unter ihnen ist wohl Anwa'ar, die Blume der Wüste, deren Einwohnerzahl unbekannt hoch ist und an deren Ausmaße keine andere nur im Entferntesten heran reicht.
In den Siedlungen blüht der Handel und das Handwerk. Auch Wissenschaft und Künste haben weite Verbreitung gefunden, wobei die Astronomie hervorzuheben wäre. Die zumeist klaren Nächte in der Wüste bieten sich geradezu an, das Spiel der Mondin und ihrer Kinder zu beobachten. Die Astronomen sind wohl auch der größte Teil der Minderheit im va'rianischen Volk, die der Herrin der Nacht anhängen.
Auch die Sesshaften haben einen Führer, der für das Gemeinwohl der jeweiligen Siedlung zuständig ist und ihre Geschicke lenkt. Im Gegensatz zu den Beduinen wird er jedoch nicht durch die Kraft seiner Muskeln, sondern durch die schwere seines Goldbeutels bestimmt. Derjenige, der am Ende eines abgelaufenen Jahres das meiste Gold vorzuweisen hat, wird im darauf folgenden Jahr an der Spitze der Oase sitzen.
Eine historisch bedingte Ausnahme bildet die Stadt Anwa'ar, über die der Amjad von Anwa'ar regiert.
Aussehen
Die Va'rian sind für einen Menschen von normaler Größe und der Durchschnitt der Recken mag bei etwa 180 fingerbreit liegen. In jüngeren Jahren sind sie eher schlank, durchaus athlethisch und von muskulös Statur. Mit fortschreitendem Alter jedoch mag man so einigen Va'rian zunehmende Fülle nachsagen. Doch verschwindet diese meist unter den weiten Gewändern, die sie tragen. Durch die schier endlos scheinenden Strahlen der Sonne über der Wüste, hat sich die Haut der Va'rian dunkel gefärbt, und ebenso dunkel sind die Haare und die Augen der meisten dieses Volkes. Die Haarpracht der Männer bleibt meist unter den gebundenen Turbanen verborgen, doch so diese entfernt werden, kommen meist Kurzhaarfrisuren zum Vorschein. Die Frauen des Volks haben hingegen fast alle langes, dunkles Haar, das nicht selten bis an die Hüfte gereicht. Im allgemeinen tragen sie es offen, so dass es ihre zumeist ebenmäßigen Gesichtszüge umrahmt. Je nach Reichtum wird es gern mit goldenen oder silbernen Fäden durchwoben, die mit Diamanten oder Glasperlen besetzt sein können. Aufgrund der Hitze und der Sonne in der Wüste ist ihre Kleidung meist hell und weit geschnitten, ohne dabei unpraktisch zu werden. Im Gegenteil: Die Va'rian scheinen den weiten Schnitt der Gewandung zu ihrem Vorteil auszunutzen wissen.
Deutlich mag man bei den Va'rian den Unterschied zwischen Arm und Reich erkennen. Während man die ärmere Bevölkerung leicht an ihrer benutzten und teils zerschlissenen, dreckigen Kleidung erkennt, die deutlich von Arbeit und dem Leben in der Wüste zollt, protzen die Reicheren des Volkes mit ihrem Gold. Etliche Ketten, Perlen, Goldschmuck, Verzierungen an der Gewandungen und anderes Gefunkel schmückt die oberen Schichten und hebt sie somit deutlich vom einfachen Volk ab.
Die Meisten Va'rian führen Schwerter, die im Vergleich zu den Imperialen Waffen allerdings gebogene Klingen haben. So mag man daher meist Säbel, Krummschwerter oder Kukris an einem Va'rian finden. Doch auch wenn die meisten dieses Volks den Nahkampf schätzen, entdeckt man hin und wieder auch Bögen, Wurfdolche oder kurze Speere bei ihnen.
Heimat
Die Va'rian leben quer über Va'luas, die Große Wüste verteilt. Aufgeteilt in zahlreiche, kleine Nomadenstämme, leben sie meist nahe oder gar nebst einer der Oasen im ewigen Sand. Während die einen ihr ganzes Leben an der gleichen Oase verweilen, gibt es andere Stämme, die im ewigen Wandel durch die Wüste streifen. Anwa'ar, die Blume der Wüste ist die größte Ansiedlungen. Durch ihre Eroberung - dem Imperium gelang es durch einen mysteriösen Schachzug sie in seine Gewalt zu bekommen - hat es einige Va'rian in die weite Welt hinaus getragen, doch die meisten des Volks verweilen wohl immer noch in ihrer alten Kultur und ihren alten Sitten in der Wüste.
Kultur
Die Kultur der Va'rian mag den meisten Imperialisten wohl recht fremd und eigentümlich erscheinen. Bestimmte Rituale und Sitten mögen sich von Stamm zu Stamm unterscheiden, doch haben sie doch meist alle den gleichen Ursprung. Bei keinem anderen Volk der Menschen mag es wohl so viele verschiedene Märchen, Legenden, Geschichten und Mythen geben, wie bei den Va'rian. Seien es nun die geisterhaften Nahdi'za, Dämonen des Sandes, die verführerische Bauchtänzerin oder die juwelenbesetzte Goldkette - die Va'rian könnten wohl zu allem ein Märchen oder Wunder erzählen. Weiterhin prägend für dieses Volk ist ihre befremdliche Art der Musik. Fast jeder Va'rian liebt die Musik und nicht selten erfüllt der abstruse Klang ihrer Gesänge die Gestade um eine der Oase. Schrill und jaulend mag die Musik am Anfang für fremde Ohren klingen, doch ist sie ein fester Bestandteil ihrer Kultur.
Deutlich mag in dieser Kultur auch der Unterschied zwischen Mann und Frau erkennbar sein. Während dem Mann die meisten Pfade des Lebens offen stehen, beschränkt sich das Betätigungsfeld der Damen auf die geistigen Bereiche. In den Mauern des Goldenen Orakels steht den Frauen sogar das Privileg zu, einzig das Hohenpriesterinnenamt des Sonnenvaters zu bekleiden und die Sprüche des Orakels zu deuten. Dem weiblichen Geschlecht wird somit ein hoher Wert in der Gesellschaft zuteil und es hat so bedeutenden Einfluss auf Religion und Politik. Inwieweit dies mit der Unterwerfung durch das Imperiale Reich in Zusammenhang steht, ist ungewiss.
Die Würzung des Essens der Va'rian ist recht speziell und meistens scharf - wobei sie es selbst über die Jahre kaum mehr als scharf empfinden, wo es einem Nicht-Va'rian gar die Tränen in die Augen treiben mag. Die meisten des Volk benutzen keine Tische oder Stühle, sondern sitzen auf flachen Kissen oder Decken direkt auf dem Boden. Der Tee der Va'rian ist im ganzen Land berühmt und geschätzt ob seines fremdartigen, fruchtartigen und dennoch gewürzten Geschmacks, und hier und da mag man gar eine der berüchtigten Wüstenpfeifen auf dem Markt erstehen können. Besonderer Tabak mit Geschmack wird oftmals durch diese Wasserpfeifen genossen.
Religion
Die Va'rian zählen zu den inbrünstigsten Gläubigen der Menschen, wobei so gut wie das ganze Volk ob ihrer Herkunft den Sonnenvater verehrt. An so gut wie jeder Oase, die einst oder derzeitig vom Volk der Wüste bewohnt war oder ist, mag man zumindest einen kleinen Schrein zu seinem Gedenken finden. Tief in der Wüste soll es sogar wenige prächtige Tempel geben, die dem gütigen Vater geweiht sind. Jedoch haben die wenigsten Nicht-Va'rian ein solches Prunkwerk je zu Gesicht bekommen.
Das Volk betet in der Regel zweimal täglich: Das erste Mal bei Aufgang der Sonne, aufdass das Sonnenbanner sie den Tag über beschützen möge. Und das zweite Mal zur Zeit des Sonnenuntergang, wo sie darum bitten, die Nacht zu überleben und die Sonnenstrahlen am nächsten Tag wieder auf ihrer Haut zu spüren. Auch die Glaubensrituale mögen sich von Stamm zu Stamm unterscheiden, doch haben sie alle gemein, dass sie stets zum Gebet auf die Knie fallen, ihre Stirn in tiefster Demut auf den Sand betten und ihre Haltung immer in Richtung der Sonne gerichtet ist, um den Sonnenvater direkt ansprechen zu können.
Zentrum der va'rianischen Religion ist das Goldene Orakel, der sagenumwobene leuchtende Turm in der Wüstenstadt Anwa'ar.
Mentalität
Innerhalb eines Stammes ist der Umgang unter den Va'rian freundlich und respektvoll - familiär gar. Gegenüber Fremden jedoch wirken die Va'rian oft verschlossen, misstrauisch, unnahbar und fast schon abweisend, sofern man ihnen nicht ausreichend Grund liefert, anderes von ihrem Gegenüber zu denken. Nur sehr selten mag es einem Fremden gelingen, die Freundschaft und das Vertrauen eines Va'rian zu gewinnen, so seine Herkunft nicht selbst dem Volk der Wüste entspringt. Sie schätzen die Ehre, und jeder der die Ehre eines Mannes oder einer Frau anzweifelt, darf sich nicht wundern, wenn er alsbald die blitzenden Klingen einer Waffe in der Hand seines dunkelhäutigen Gegenübers sieht.
Die Va'rian gelten als stolz, entschlossen und zielstrebig. Haben sie sich einmal ein Ziel gesetzt, so verfolgen sie es auf Gedei und Verderb, auch wenn ihr eigenes Leben dadurch in Gefahr gebracht werden mag. Rückzug zählt bei den Va'rian als Zeichen der Schwäche.
Die Familie und das Sonnenbanner zählen für die meisten Va'rian als ihr Höchstes, und beides würden sie stets mit ihrem Leben verteidigen.
