Wie der Grüne Ronn einen Pakt mit den Wölfen schloss
Aus Auryen
„Wer kennt ihn nicht,
den Grünen Ronn,
aus dem Zankharawald ?
Schon wer seinen Geschichten lauscht,
dem wird bald heiß, bald kalt.“
Der Ruf des Grünen Ronns war schnell um den ganzen Zankharawald bekannt und die Fürsten und Ortsvorsteher hatten alsbald hohe Summen auf seinen Kopf ausgesetzt. So kam es, dass Reisen durch den Wald immer seltener wurden, die Zahl der Wagemutigen, die den Räuber zu ergreifen suchten, jedoch wuchs.
Dem Grünen Ronn blieb jedoch mehr und mehr die Beute aus. Unter dem dichten Geäst der Bäume stehend, musste er ein ums andere mal die Handelsgesellschaften vorbei ziehen sehen. Das machte ihn verdrießlich und er verfiel in Grübelei. Die Stille des Anführers gefiel seinen Gefolgsleuten nicht und sie begannen zu murren. Das entging dem Grünen Ronn nicht und er überwand sein Zögern, um zu handeln. Allein brach er in den Wald auf und verschwand dort für einige Tage, nicht jedoch ohne allen anderen mehr Jagdglück in der nahen Zukunft zu versprechen.
An verstecktem Ort im Walde traf der Grüne Ronn sich mit Schwarzgroll, dem Führer der Wölfe, dessen Geschichten mindestens eben so zahlreich sind, wie die des berüchtigten Räubers. Wie es von statten ging, weiß niemand. Und doch ist es sicher, dass ein Pakt geschlossen wurde, zwischen Räubern und Wölfen, der beiden zum Vorteil gereichen sollte. Die Aufgabe der Wölfe war es fortan, die Handelsgesellschaften am Waldrand aufzuschrecken und in den Wald zu treiben. Dort fielen sie in die Hände der Räuber, die ihre Opfer auseinander trieben und so Zugtiere und manches mal auch ihre menschliche Begleitung zu leichter Beute für die Wölfe machten.
Dieses schauerliche Bündnis brachte beiden Parteien eine Zeit lang großen Erfolg. Doch je länger es dauerte, desto unheimlicher wurden den Gefolgsleuten Ronns die vierbeinigen Bestien. Zu schnell schienen diese zu lernen, wie sie die Gejagten überlisten konnten und bei Tageslicht besehen, war ihr eigenes Vorgehen allzu kaltblütig. Denn der Grüne Ronn und seine Anhänger waren zwar Gesetzlose, die im Fall der Fälle auch nicht davor zurück schreckten, das Leben eines anderen auszulöschen. Brutale Mörder waren sie im Grunde jedoch nicht und so erhob sich bald das Murren von neuem.
Lang dauerte es nicht, bis ihr Anführer sie zur Rede stellte. Er hielt ihnen vor, dass sie es selbst gewesen waren, denen die Beute nicht genügt hatte. Zudem waren sie zu Anfang begeistert gewesen, welche Erfolge sie mit Hilfe der Wölfe gehabt hatten. Doch er ließ sie auch selbst wieder entscheiden, ob sie die Jagd den Wölfen fortsetzen wollten oder stattdessen wieder die geringe Jagdausbeute in Kauf nähmen. Beinahe einstimmig fiel die Wahl auf Zweiteres und so traf er sich erneut mit Schwarzgroll und löste den Pakt mit den Wölfen. Widerwillig nahm der Graue das zur Kenntnis, zog jedoch schon bald mit dem anbrechenden Winter gen Norden, wo sich seine Spur einstweilen verlor.
Der Grüne Ronn blieb jedoch mit seinen Männern im Zankharawald zurück und so ist zwar der weite Weg um den Forst wieder sicherer geworden, der schnellere Pfad zwischen den Bäumen bleibt jedoch gefährlich, wie eh und je.
„Wer kennt ihn nicht,
den Grünen Ronn,
aus dem Zankharawald ?
Bleib du nur fern vom grünen Tann',
sonst narrt er dich alsbald.“
